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Pussy Riot: Wenn Angst Politik macht

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Pussy Riot: Wenn Angst Politik macht

22. August 2012 12:53 Bisher keine Kommentare

Ein Gespenst geht um in Russland. Das Gespenst der freien Meinungsäußerung. Die Verurteilung des Künstlerinnenkollektivs Pussy Riot hat in internationalen Gewässern hohe Wellen der Entrüstung geschlagen.

Wellen, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Hals reichen, hätte er nicht ohnehin schon im Vorfeld genug Wasser geschluckt. Doch wieso wird hier die religiöse Komponente ausgespielt, wenn es doch darum geht, dass der mächtigste Mann des Landes die Fliege machen soll? Eine Herantastung.

Zwei Jahre Lagerhaft für die drei inhaftierten Mitglieder der feministischen Riot grrrl-Band lautet das Urteil. Am Montag wurde zudem die Fahndung nach zwei weiteren Kollektivistinnen ausgeschrieben.

Zwei Jahre für einen rebellischen Ausbruch in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, wo ein Punk-Happening gegen Wladimir Wladimirowitsch Putin skandierte. Die Anklage lautet auf »Rowdytum aus religiösem Hass«.

Doch ist tatsächlich religiöser Hass die Triebfeder im Pussy Riot-Universum?

Wenn man sich an den Text des oft erwähnten »Punkgebets« hält, wohl kaum. Da wird die Jungfrau Maria um Hilfe angerufen, da wird dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau nahegelegt, besser an Gott zu glauben als an Putin, da sei die Jungfrau Maria selbst mit den Protestierenden. Nicht wirklich Worte, die ihren Weg über blasphemische Lippen machen würden.

Um dem Ursprung der Abneigung näher zu kommen, bedarf es eines Ausflugs in das Geflecht von Kirche und Staat in Russland.

Nearly God

Das Schlussplädoyer von Yekaterina Samutsevich, Mitglied von Pussy Riot, macht einmal mehr deutlich, dass die Vernetzungen zwischen der russischen Regierung und der russisch-orthodoxen Kirche so dicht sind, wie die Kügelchen in einem Glas Kaviar. Dass mit der Christ-Erlöser-Kathedrale als Austragungsort ausgerechnet der zentrale Punkt der religiösen Gemeinschaft Russlands gewählt wurde, hatte somit mehr als bloß symbolischen Charakter.

Here, apparently, the authorities took advantage of a certain deficit of the Orthodox aesthetic in Soviet times, when the Orthodox religion had an aura of lost history, of something that had been crushed and damaged by the Soviet totalitarian regime, and was thus an opposition culture. The authorities decided to appropriate this historical effect of loss and present a new political project to restore Russia’s lost spiritual values, a project that has little to do with a genuine concern for the preservation of Russian Orthodoxy’s history and culture.

(Yekaterina Samutsevich)

Das politische Versagen bei Tragödien wie der Geiselnahme von Beslan, dem Untergang der Kursk oder der problematischen Tschetschenien-Politik, die etwa mit der Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater einen traurigen Höhepunkt fand, erschütterte das Allmachts-Bild des Wladimir Wladimirowitsch.

Es musste etwas getan werden. Warum also nicht den alten Zauber der orthodoxen Religion wieder revitalisieren? Warum nicht in der historischen Vergangenheit sticheln und etwas ausgraben, das von Macht als etwas Gottgegebenem und nicht weltlich Konstruiertem spricht?

Dazu die Nationale-Identitäts-Keule schwingen und draufhauen, wenn die Herde sich aufzulösen scheint.

Fest steht, dass das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill der I., enge Beziehungen mit Wladimir Putin unterhält. Gegenseitige Unterstützung bei Wahlen und eine angebliche gemeinsame KGB-Vergangenheit binden die Knoten in diesem Geflecht.

Fear the reaper!

Angst scheint die Motivation zu sein, welche den Kreml nun zur angewandten Härte treibt. Angst vor dem eigenen Volk, das seinen Unzufriedenheitsgeifer nicht länger hinter dem Maulkorb verdichten möchte. Ein Volk, das die Putin-Sättigungsgrenze längst überschritten hat.

Auch Pussy Riot ist in diesem sumpfigen Morast aufgekeimt. In einem Interview mit dem VICE Magazine – wenige Tage vor der Verhaftung – nennt Pussy Riot Putins Ankündigung einer Neukandidatur bei den russischen Präsidentschaftswahlen 2012 als den ausschlaggebenden Moment:

Da haben wir gemerkt, dass unser Land eine militante, feministische Punkband braucht, die durch Moskaus Straßen und über die Plätze zieht. Wir wollen die Öffentlichkeit mobilisieren, gegen die Betrüger der Putin-Junta zu kämpfen. Außerdem wollen wir die russische Opposition mit kulturellen und politischen Themen bereichern, die uns wichtig sind: Gender- und LGBT-Rechte, Probleme der maskulinen Konformität, das Fehlen von gewagten politischen Botschaften in der Musik- und Kunstszene und die Vorherrschaft der Männer in allen Bereichen des öffentlichen Diskurses.

(Pussy Riot)

Bereits die Art, wie Putin seine Macht überdauern konnte, zeigt unmissverständlich die Aushebelung des Systems auf. Weil das russische Gesetz keine dritte aufeinanderfolgende Amtsperiode als Präsident vorsieht, wurde der Putin-getreue Dmitri Medwedew als interimistischer Platzhalter installiert. Ein Platzhalter, der nach einer Amtsperiode das »Leo« aufhebt und damit den Vorgänger wieder ins Spiel bringt – und dabei auch gleich mal den Posten als Premierminister einstreicht. Fliegender Wechsel. Danke an alle.

Angesichts derartiger Strategien ist es nicht verwunderlich, dass der Overkill eine Entladung erfahren musste – gar den Nährboden dafür selbst geschaffen hatte.

Pussy Riot grrrl

Und hier schlägt der rebellische Moment der Riot grrrl-Bewegung, die in den 1990er Jahren als feministischer Gegenentwurf zum männlich dominierten Punkrock entstand, seine scharfkantigen Stahlsaiten an. Öffentliche Auftritte in Guerilla-Taktik packen die gesamte Schwere des Protests in ein paar knappe Minuten. Komprimierter Exzess. Kleine Stiche, die in ihrer Gesamtheit den Blutfluss ermöglichen. »Jungfrau Maria, jag Putin fort!«

Das hier allein mit Feminismus zu erklären, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Klar setzt sich Pussy Riot gegen die Vorherrschaft der Männer ein, doch geht man hier noch einen bedeutenden Schritt weiter in Richtung Zerstörung des gesamten Systems. Letztendlich war der Grundgedanke des Riot grrrl-Movements ein Medium zu schaffen, das nicht nur für sondern auch gerade zu den Frauen spricht:

BECAUSE we girls want to create mediums that speak to US. We are tired of boy band after boy band, boy zine after boy zine, boy punk after boy punk after boy…BECAUSE we need to talk to each other. Communication/inclusion is the key. We will never know if we don’t break the code of silence… BECAUSE in every form of media I see us/myself slapped, decapitated, laughed at, objectified, raped, trivialized, pushed, ignored, stereotyped, kicked, scorned, molested, silenced, invalidated, knifed, shot, choked and killed. BECAUSE I am tired of these things happening to me; I’m not a fuck toy, I’m not a punching bag, I’m not a joke…BECAUSE a safe space needs to be created for girls where we can open our eyes and reach out to each other without being threatened by this sexist society and our day to day bullshit.

(Erika Reinstein, Riot Grrrl NYC #2, 1992)

Bei Pussy Riot hingegen, ist jedes einzelne Puzzlestück der Gesellschaft angesprochen im Kampf gegen die Verletzung der Grundrechte des Menschen und die Beschränkung seiner politischen Freiheit.

Wie es um die Meinungsfreiheit in Russland bestellt ist, lässt sich angesichts dieses Prozesses erahnen. Fest steht, dass Russland im World Press Freedom Index 2012 der Reporter ohne Grenzen den nicht ganz rühmlichen Platz 142 von 179 einnimmt.

Pussy Riots Willen zum Protest ist – laut eigener Angabe – ungebrochen. Angesichts eines Justizsystems, in dem jeder Schuldspruch höhere Boni für alle Beteiligten außer dem Angeklagten bedeutet, wie aus einem Artikel in Der Presse hervorgeht, zeugt diese Einstellung davon, dass das subversive Potential von Pussy Riot noch bei Weitem nicht ausgeraucht ist. The riot marches on.


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